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Die Einführung eines Schulversuchs „Wirtschaftsschule ab der 5. Jahrgangsstufe“ ist pädagogisch nicht vertretbar, schwächt die Mittelschule und damit das differenzierte bayerische Schulsystem.
Der eingereichte Antrag 18/19291 der FDP-Landtagsfraktion zur Einführung eines Schulversuchs „Wirtschaftsschule ab der 5. Jahrgangsstufe“ verunsichert die Schulfamilie, bringt Unruhe in bereits turbulenten Zeiten und geht in die falsche Richtung.

„Wir brauchen zur Zeit mehr Ruhe und Verlässlichkeit in der Schullandschaft und damit eine Stärkung des differenzierten bayerischen Schulsystems“, fordert Walburga Krefting, die Landesvorsitzende der KEG Bayern und ergänzt: „Der Vorschlag, bereits nach der 4. Jahrgangsstufe der Grundschule in die Wirtschaftsschule wechseln zu können, bedeutet eine weitere empfindliche Schwächung der ohnehin schon angeschlagenen Mittelschule als tragende Säule unserer Schullandschaft.
Damit verschiebt sich die ‚gefühlt‘ endgültige Entscheidung zur Schullaufbahn in die Grundschule und wir tun nicht gut daran, unseren Schulkindern in der 4. Klasse, deren Eltern, aber auch den dort bereits am Limit  arbeitenden Lehrkräften noch mehr aufzubürden. Bereits jetzt ist der Druck auf die Schulfamilie in dieser Jahrgangsstufe sehr hoch.“
Erst mit dem Schuljahr 2020/21 wurde der Übertritt von der Mittelschule in die Wirtschaftsschule um ein Jahr vorverlegt. Schülerinnen und Schüler können aktuell ab der 6. Klasse in die Wirtschaftsschule wechseln. Diese Entscheidung bereits zwei Jahre später erneut zu ändern, wirkt übereilt und planlos, insbesondere, da der erste Versuch bereits zu Unruhe geführt hat.
„Das Schulsystem muss auf die Schülerinnen und Schüler zugeschnitten bleiben. Neue Übertrittsoptionen sind mit neuem Leistungsdruck verbunden“, äußert sich Stephan Hager, der Landesvorsitzende der KED in Bayern, irritiert zum Antrag der FDP-Landtagsfraktion. Denn „das aktuelle Mehrsäulen-Schulsystem stellt sich äußerst freundlich und zugleich individuell nach den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler dar, die mit großer Sorgfalt ihren Schulwerdegang zugleich in größtmöglicher Durchlässigkeit schulartübergreifend gehen können“, so Stephan Hager weiter.
Aber auch aus pädagogischer Sicht ist die verfrühte Entscheidung für eine berufliche Richtung und damit der Wechsel an die Wirtschaftsschule bereits nach der 4. Klasse fragwürdig. Für viele Schülerinnen und Schüler ist die Mittelschule die Möglichkeit, ihre Neigung zu sozialen und pädagogischen Berufen oder dem Handwerk zu entdecken. Genau diese Erfahrung wird ihnen aber durch das geplante Angebot verwehrt. Es wird ihnen die Chance genommen, die allgemeinbildende Mittelschule mit ihren Stärken kennenzulernen, einschließlich der Möglichkeit, dort einen guten mittleren Schulabschluss zu erlangen.
„Gerade in diesen Zeiten ist es wichtig, Ruhe und Verlässlichkeit für die Schulfamilie auszustrahlen. Es ist Aufgabe der Politik, in pädagogischer Verantwortung und mit Blick auf die Gesamtheit unseres Schulsystems Wege zu
finden, wie unsere Schularten gestärkt und nicht gegeneinander ausgespielt werden. Das hat unsere Schulfamilie in diesen anstrengenden Jahren mehr als verdient“, schließt Krefting.

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